Bildung gibt Kindern eine Perspektive
In
Afghanistan herrscht Frieden – doch der Wiederaufbau des von 23 Jahren Krieg gezeichneten Staates wird noch lange dauern. Für einen anhaltenden Frieden braucht das Land vor
allem eines: Bildung. Armut und Krieg haben ganze Generationen vom Lernen ausgeschlossen. Unter den Taliban war Mädchen der Schulbesuch verboten. Nur fünf Prozent der Frauen
können heute lesen und schreiben. Doch es herrscht Aufbruchstimmung. Mit Hilfe von UNICEF wurden die Schulen wieder eröffnet – mit großem Erfolg: Mit seiner weltweit größten
Bildungskampagne brachte UNICEF bereits 4,5 Millionen Mädchen und Jungen zurück in die Schule. Um langfristig einen guten Unterricht zu sichern, braucht UNICEF dringend weiter
Unterstützung.
Der
Unterricht in Afghanistan findet meist noch immer unter einfachsten Bedingungen statt. Rund 2.000 Schulen wurden durch den Krieg zerstört oder schwer beschädigt. Sie werden
derzeit durch Zelte ersetzt. Erste Gebäude wurden bereits auf Minen geprüft und wieder aufgebaut. Der Bedarf an Material, Räumen und Personal ist riesig: An einigen Schulen in
Kabul versuchen täglich zehn neue Kinder, sich als Erstklässler anzumelden. Viele kehren als Flüchtlinge aus Pakistan oder dem Iran in ihr Land zurück. Sie sind jahrelang gar
nicht zur Schule gegangen. Andere haben zwar am Unterricht teilgenommen, jedoch einen wichtigen Teil des Lehrstoffs verpasst oder keinen anerkannten Abschluss erworben.
Mädchen erobern die Schulen zurück
Viele Lehrer
mussten während des Krieges selbst fliehen und kehren erst jetzt nach und nach zurück. Unter den Taliban durften Lehrerinnen ihren Beruf meist nicht ausüben. Jetzt werden
qualifizierte Kräfte dringend gebraucht, um das Bildungssystem wieder aufzubauen. Viele Lehrer arbeiten im Schichtbetrieb, um möglichst allen Kindern den Schulbesuch zu
ermöglichen. Vor allem die Mädchen hoffen auf eine bessere Zukunft. Sie wollen selbst für sich sorgen können und vielleicht eines Tages als Lehrerin, Ärztin oder
Computerexpertin arbeiten. Tausende der afghanischen Kinder sind allerdings kaum fähig, dem Unterricht zu folgen: Sie sind noch immer mangelernährt und anfällig für
Infektionen.
Was tut UNICEF?
1. Kinder in die Schule bringen
Unter dem
Motto „Zurück in die Schule“ hat UNICEF in Afghanistan die größte Bildungskampagne seiner Geschichte gestartet. Rund 100 Schulen wurden bereits wiedereröffnet, 200 weitere
sollen folgen. UNICEF wird über vier Millionen Mädchen und Jungen mit Büchern und Heften versorgen. Um die vielen Schüler unterrichten zu können, hilft UNICEF bei der
Mobilisierung und Ausbildung von 50.000 Grundschullehrern. Zudem unterstützt UNICEF das Erziehungsministerium dabei, einheitliche Lehrpläne und Schulabschlüsse zu entwickeln.
2. Ernährung und Hygiene verbessern
Noch immer
sind rund die Hälfte der Menschen in Afghanistan chronisch mangelernährt und damit sehr anfällig für Krankheiten. UNICEF versorgt 320.000 Kinder sowie schwangere oder
stillende Frauen mit Zusatznahrung. Um die Hygiene zu verbessern und die Infektionsgefahr einzudämmen, werden 270 Schulgebäude für über 200.000 Schüler und Lehrer zumindest
mit Latrinen ausgestattet. UNICEF lässt Brunnen bauen und Handpumpen reparieren. Erzieher und Grundschullehrer lernen in Kursen, wie sie ihre Schüler über hygienisches
Verhalten informieren können.
Hoffnung auf eine bessere Zukunft
In der
Azadi-Mädchenschule im Herzen der Provinzstadt Herat fehlt es an fast allem. Es gibt noch kein Wasser, keinen Strom. Eine neue Latrine für die 1.400 Schülerinnen wird gerade
erst gebaut. In den Klassenräumen riecht es modrig, der Putz fällt von den Wänden. Doch der Wiederaufbau des uralten Gemäuers geht voran: Zwei Klassenräume sind bereits neu
verputzt und werden gerade weiß gekalkt. Die 15 Lehrer, davon 13 Frauen, spenden dafür einen Teil ihres schmalen Gehalts.
Die
zehnjährige Maasuma ist glücklich, dass sie in der Azadi-Schule lernen kann. „Ich will Computerexpertin werden“, antwortet sie wie aus der Pistole geschossen, als sie nach
ihren Plänen gefragt wird. Angesichts der Ausstattung ihrer Schule klingt ihr Wunsch zwar heute noch utopisch. Doch „was wären wir ohne die Hoffnung unserer Kinder?“, fragt
Schuldirektor Said Abdul. Ein Symbol dieser Hoffnung ist auf den lehmfarbenen Hauswänden in Herat zu sehen. Auf vielen von ihnen prangt gut erkennbar das Logo der
UNICEF-Kampagne „Zurück in die Schule“: Ein Junge und ein Mädchen laufen Hand in Hand, beide mit ihren Schultaschen.
So können Sie helfen
Für rund 40
€ erhalten zehn afghanische Kinder Hefte, Stifte sowie eine Schiefertafel und eine Tasche.
Für 2.000
€ kann UNICEF eine Schule für rund 800 Kinder mit sauberem Wasser und sanitären Anlagen versorgen.
Bereich Grundsatz und Information
PR 036 - 3.000 - 05/03